geboren am 17.10.1997 in Grünstadt, Rheinland-Pfalz
lebt und arbeitet in Köln
2022-2023 Meisterschüler bei Franz Ackermann
2017-2023 Diplom an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
Stipendien
2019 - 2023 Brunhilde-Schütz-Gengenbach-Stiftung
Auslandsaufenthalt
2023 - 2024 Salt Lake City USA

Foto: Tim Tyson
Zeitgenoessischer Westen
ueber die Malerei von Max Goemann
Man stelle sich einen Cowboy vor. Nicht als
makellosen Helden des Westernfilms, sondern
als eine Figur, die im Staub der Gegenwart um Halt
ringt – ohne Pferd, ohne endlose Prärie,
viel eher mit einer Pose, die schon ins Leere weist. So
begegnet uns Künstler Max Gömann
in seiner Malerei. Er malt Alltagsszenen: Häuser,
Landschaften, Zwischenmomente,
Personen. Dabei wirkt sein Malstil oft verspielt und
elementar in der Formensprache: Figuren
erscheinen vereinfacht, Perspektiven leicht
verschoben, Farben kräftig und überraschend.
Doch gerade diese Gestaltung verstärkt die
Spannung zwischen Realität und Abweichung,
zwischen dem, was wir kennen, und dem, was sich
dem Blick entzieht.
In seinem Bild No Horse To Ride wird diese Spannung exemplarisch. Gömann malt sich
selbst als Cowboy – doch das Pferd fehlt. Der Titel macht die Leerstelle offenkundig, das Bild
die Fragilität sichtbar. Der Künstler inszeniert sich als Reiter, dem die Stütze entzogen
wurde: ein Sinnbild für das Umherirren im Alltag, für eine Freiheit, die mehr Behauptung als
Realität ist. Indem er seine eigene Künstlerperson in den Mythos hineinträgt, verschränkt er
Künstlerrolle und Cowboy-Figur – nicht als heroische Pose, sondern als komisches, fast
tragisches Selbstbild.
Das Bild des Cowboys ist keinesfalls unschuldig. Es steht historisch für den Mythos der
Eroberung, für Gewalt gegen indigene Kulturen, für das Bild eines weißen, männlichen
Helden, der sich die Natur aneignet. Hollywood hat diese Figur im letzten Jahrhundert zur
nationalen Ikone der USA erhoben – als Sinnbild für Unabhängigkeit und Abenteuer, aber
auch als Projektionsfläche für Macht und Kontrolle. Max Gömann nimmt diese Last auf, ohne
sie fortzuführen. Indem er das Bild des Cowboys ins Fragile verschiebt, entzieht er ihm die
Unantastbarkeit und macht es zum Spiegel der Gegenwart.
Diese Gegenwart prägt viele weitere Bildmotive, die der Künstler auf seinen Reisen durch
die USA gesammelt hat. Schon früh zog es ihn nach Westen: Ein längerer Aufenthalt nach
seinem Abschluss an der Kunstakademie Karlsruhe sowie wiederholte Reisen mit seiner
Frau, die Amerikanerin ist, führten ihn mitten hinein in jene Landschaften und Symbole, die
sein Werk heute prägen. Spring Break („Frühlingsferien“ bzw. Lebensfreude/Party/US-Kultur)
etwa ruft über den Titel die jugendliche Sehnsucht nach Ausbruch und Unbeschwertheit auf,
doch die Malerei erzählt eine andere Geschichte: weniger Euphorie, mehr Erschöpfung. Das
Nachglühen einer Erwartung, die nicht eingelöst wird.
In The House That Bill Built und The House That Chelsea Built erscheinen Häuser nicht als
glänzende Symbole des Besitzes, sondern als fragile Konstrukte – Sinnbilder für den
American Dream, der im Eigenheim seine bürgerliche Erfüllung fand, heute jedoch von
Unsicherheit und bröckelnder Substanz überschattet ist. Auch hier spielt Gömann mit dem
Kontrast zwischen Titel und Bild: Stabilität wird behauptet, während die Malerei Brüchigkeit
offenlegt. 80 Mph (80 Meilen pro Stunde) wiederum beschwört das Bild endloser Highways
und das Rauschen amerikanischer Geschwindigkeit. Doch die vermeintliche Freiheit auf der
Straße wirkt, als sei sie ihrem eigenen Tempo nicht mehr gewachsen. Als würde sie sich
selbst überholen.
So entwickelt Gömann als deutscher Künstler seine eigene Sicht auf die USA – geprägt von
Reisen, persönlichen Eindrücken und zugleich kritischer Distanz. Er bricht westliche
Sehnsuchtsbilder auf, zeigt ihre Risse und befragt malerisch, was davon übrigbleibt. Der
heutige Cowboy ist kein Held mit sicherem Sitz im Sattel, sondern ein Suchender, der die
Pose kennt, aber insgeheim selbst weiß, dass das Pferd fehlt.
Gerade darin liegt die Aktualität seiner Malerei. Der amerikanische Traum von Freiheit,
Besitz und Selbstbestimmung ist im 21. Jahrhundert mehr denn je in Frage gestellt.
Ungleichheit, politische Spaltungen und eine Kultur, die ihre eigenen Mythen nicht mehr
ungebrochen erzählen kann, machen die Lücken sichtbar. Gömann reagiert in seinem Werk
darauf nicht etwa mit Pathos, sondern mit Humor, Verfremdung und Farbe. Seine Bilder
entlarven die Tragik in der Komik, und umgekehrt.
Am Ende bleibt ein Bild der USA, das nicht auf heroische Größe setzt, sondern auf das
Fragmentarische, das Widersprüchliche, das Unfertige. Gömanns Malereien sind nicht die
Verkörperung des amerikanischen Traums, sondern die Frage, was davon übrigbleibt.
norina quinte 2026

